Liebe Mitglieder, liebe Engagierte,
die Förderrichtlinie „Integration von Zugewanderten“ ist draußen und stellt damit die Weichen für die geförderte Integrationsarbeit in Sachsen bis zum Ende des nächsten Doppelhaushaltes in 2028.
Während in wichtigen Bereiche wie der Sprachförderung, der Psychosozialen Begleitung und dem Mentoring weiterhin normale Projekte möglich sein werden, befürchten die Träger Einschnitte bei den lokalen Strukturen. Insbesondere die Einsparungen im Bereich der Willkommenskultur, die nun de facto Kleinprojekte darstellen, sind aus Sicht des Augen auf e.V. kritikwürdig.
Ob Integration oder Demokratiebildung – diese Bereiche sind kein „nice to have“, sondern staatliche Aufgaben, die freie Träger auch gerne mit abdecken, aber dafür braucht es auch eine ausreichende Finanzierung. Nicht zu vergessen sind die gesellschaftlichen Folgekosten, die entstehen, spart der Freistaat bei Prävention und sozialen Räumen.
Die Umsetzung der zuletzt gültigen Förderrichtlinie hat schon zu erheblichen Einschnitten im Bereich der Integration geführt. Bis heute herrscht keine Transparenz darüber, warum die für die bisherige Richtlinie "Integrative Maßnahmen" zu Verfügung stehenden Mittel in diesem Jahr nicht vollständig verausgabt wurden. Ursprünglich wollte die Minderheitsregierung hier schon im Landeshaushalt 2025/26 kräftig sparen. Die geplanten Kürzungen wurden jedoch durch Änderungsanträge der Opposition im Landtag zurückgenommen. Die Antragsfristen sind mittlerweile verstrichen. Es kann daher angenommen werden, dass keine weiteren Bewilligungen ausstehen. Der Eindruck einer Art „Kürzungspolitik durch die Hintertür“ drängt sich auf.
Die Folgen sind unterdessen bereits sichtbar.
Soweit bekannt, gibt es seit Anfang des Jahres östlich von Dresden kein gefördertes Projekt im Integrationsbereich mehr. Und das, obwohl z.B. im Landkreis Görlitz, wo auch der Augen auf e.V. zwei Integrationscafés betreibt, die meisten Migrant_innen pro Einwohner_innen in den sächsischen Flächenlandkreisen leben.
In 2025 setzten die Kollegen in den Cafés über 150 Termine um, berieten, vermittelten und unterstützten bei Alltagsfragen. In über 800 Fällen konnten wir dabei Menschen helfen und auch die lokalen Partner schätzen die Räume, weil ihre migrantische Zielgruppe sich hier gern aufhält. Unsere Café Solidarité sind damit mehr als Beratungs- und Begegnungsräume, sie sind auch Sprachlernraum, Netzwerkstellen, „Safer Spaces“ und ein Ort für die Planung des eigenen Engagements in der neuen Heimat.
Wie viele andere freie Träger lebt die Arbeit des Vereins Augen auf e.V. neben den Fördermitteln von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung, lokaler Unternehmen sowie dem ehrenamtlichen Engagement von Migrant_innen und Deutschen.
Wir tun alles, was wir tun, mit Überzeugung und werden uns deshalb auch von ausbleibender Förderung nicht aufhalten lassen und bleiben am Ball. Wir hoffen, ihr tut das auch. An dieser Stelle sei auf die Pressemitteilung des Netzwerks Tolerantes Sachsen vom 13.08.2026 verwiesen. Wir möchten alle Träger dazu aufrufen, lokal eigene Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema zu machen. Macht deutlich, was ihr im Bereich der Integration leistet und was durch die fortlaufenden Kürzungen gefährdet wird.
Wir möchten dazu anhalten sich kritisch mit dem kommenden sächsischen Doppelhaushalt zu befassen und sich an Protesten und Appellen an die Landesregierung zu beteiligen
Im Vergleich zum Gesamtvolumen des Freistaats sind die jeweils 10 Millionen für Integrations- und Demokratiearbeit im Doppelhaushalt 2027/28 „peanuts“ und jeder Euro gut investiertes Geld, welches mit Herzblut durch lokale freie Träger für wichtige gesellschaftliche Arbeit genutzt wird.
Trotz schlechter Nachrichten landauf-landab: Viel Spaß bei der Lektüre des September-Newsletters
Joschka Fux | Augen auf e.V. Oberlausitz | joschka@augenauf.net
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